Erdölreserven
Auf die Frage wie lange die Erdölreserven der Erde noch reichen, geben die Experten erstaunlich weit voneinander abweichende Antworten. Im Kern liegt das daran, dass die Fragestellung sowohl als eine geowissenschaftliche als auch als eine ökonomische verstanden werden kann. Wie immer man auch rechnet, aller ernst zu nehmenden Antworten liegen irgendwo in dem Intervall zwischen 20 und 50 Jahren.
Der ökonomische Ansatz
Dieser Ansatz geht davon aus, dass es eigentlich irrelevant ist, ob in irgendwelchen Ölfeldern irgendwo auf der Welt noch Erdölreserven lagern, wenn diese nicht unter Bedingungen gefördert werden können, unter denen das Erdöl noch weltweit als bezahlbarer Rohstoff zur Verfügung gestellt werden kann. Der zentrale Begriff dieser Debatte ist „Peak Oil“. Er bezeichnet den Zeitpunkt, ab dem de Erdölförderung nicht mehr gesteigert werden kann. Sofern es überhaupt Sinn ergibt, den Zeitpunkt des Endes des Ölzeitalters exakt angeben zu wollen, so ist Peak Oil sicherlich die vernünftigste Definition dieses Zeitpunkts. Von diesem Zeitpunkt trifft eine ständig steigende Nachfrage nach Erdöl auf ein stetig sinkendes Angebot.
Einigkeit über den genauen Zeitpunkt besteht nicht, aber es geht nur um wenige Jahre Differenz zwischen den Schätzungen. Die renommierten Unternehmen Petroconsultants (Schweiz) und Digital Westwood (USA) gehen davon aus, dass Peak Oil bereits hinter uns liegt bzw. unmittelbar bevorsteht.
Der geologische Ansatz
Gegen diesen Ansatz wir eingewandt, dass durchaus weitere Ölreserven existieren, die in Zeiten zunehmender Ölverknappung mittels neuer Technologien gefördert werden können. Dabei geht es nicht um neue Ölfelder im herkömmlichen Sinne. Zwar werden permanent neue Ölfeder entdeckt, aber deren Gesamtvolumen sinkt ständig. Seit den 1960er Jahren ist die Menge der jährlich neu entdeckten Ölreserven rückläufig und liegt seit langem unter der jährlichen Fördermenge. Die Gesamtreserve ist also Rückläufig.
Weitere Ölreserven liegen in bislang nicht oder nur unwirtschaftlich nutzbarer Form vor. Kanada verfügt über große Mengen an Ölsand, in dem mehr als eine Milliarde Barrel Erdöl gebunden ist. In etwa gleicher Menge existieren bekannte Schwerölvorkommen. Über das mit Abstand größte Vorkommen dieser Art verfügt Venezuela.
Die größten verbleibenden Erdölvorkommen mit (geschätzt) nahezu 900 Milliarden Barrel lagern in Ölfeldern unter dem Meeresgrund der Tiefsee und unter den Polarkappen. Allerdings ist unklar, ob und wie diese Vorkommen gefördert werden können.
Versorgungssicherheit für etwa 20 Jahre scheint sicher
Fasst man den gegenwärtigen Stand der Diskussion zusammen, so kann man von etwa 20 Jahren gesicherter Erdölversorgung ausgehen. Zu diesem Zeitpunkt werden nicht alle bekannten Erdölreserven verbraucht sein, aber eine weitere Erdölversorgung unter marktwirtschaftlichen Bedingungen erscheint aus heutiger Sicht fraglich.
Noch ein Hinweis
In kaum einem Gebiet existieren so wenige unabhängige Quellen wie in dieser Frage. Das liegt im Wesentlichen daran, dass unabhängige Organisationen nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen, sich einen eigenen Überblick über die Erdölvorkommen zu verschaffen. Nahezu sämtliche Quellen stammen aus dem Umfeld der Mineralölwirtschaft oder der Regierungen der Erdöl exportierenden Länder und stehen somit unter dem Verdacht, einem Interessenkonflikt zu unterliegen.